Präventiv-Apothekerin Fanny Patzschke widerlegt gängige Fastenmythen - z.B. dass Fasten als Diät geeignet ist.

Fasten-Mythen Entlarvt: Was Stimmt Wirklich?

Fasten ist seit Jahrhunderten Teil vieler Kulturen und Religionen. In den letzten Jahren hat das Intervallfasten einen neuen Boom erlebt. Ich selbst faste ebenfalls intermittierend. Daher kann ich bei diesem Thema auch auf persönliche Erfahrungen zurückgreifen. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen immer wieder die gesundheitlichen Vorteile. Dennoch kursieren nach wie vor viele Fasten-Mythen und Halbwahrheiten, die für Verwirrung sorgen. Damit räumen wir in diesem Beitrag auf und beleuchten die Fakten.

Fasten-Mythos 1: Fasten ist die beste Diät zum Abnehmen

Hierbei handelt es sich um einen der häufigsten Fasten-Mythen. Tatsächlich kann Fasten beim Abnehmen helfen. Aber es ist viel mehr als das. Fasten stellt das hormonelle Gleichgewicht wieder her, optimiert den Stoffwechsel und fördert die allgemeine Gesundheit. Intervallfasten unterstützt nicht nur den Fettabbau, sondern auch den Muskelaufbau – wenn du es richtig anwendest.

Fasten-Mythos 2: Die Wahl der Fastenmethode spielt keine Rolle

Entgegen dieser Behauptung ist es sehr wohl entscheidend, welches Zeitmodell du beim Fasten wählst. Einige Menschen bevorzugen den 5:2-Rhythmus (fünf Tage essen, zwei Tage fasten), viele jedoch schwören auf das 16:8-Modell (16 Stunden fasten, 8 Stunden essen). Beim 5:2-Rhythmus klagen viele Menschen über zu wenig Energie an den Fastentagen. Immerhin nehmen sie maximal 500 bzw. 600 kcal zu sich. Die 16:8-Methode erweist sich als praktischer und lässt sich leichter umsetzen. Wähle also für dich eine Fastenmethode, die zu deinem Lebensstil passt. Du profitierst am meisten von den positiven Effekten, wenn du das Intervallfasten dauerhaft in deinen Alltag integrierst.

Fasten-Mythos 3: Im Zeitfenster kannst du essen, was du willst

Ein weiterer Mythos besagt, dass du während des Essensfensters alles zu dir nehmen kannst, was du möchtest. Mit diesem Statement wird häufig sogar geworben. Doch hier gilt: Qualität statt Quantität. Zugegeben – alles zu essen, worauf du Lust hast, klingt verlockend. Allerdings führt das oft zu ungesunden Ernährungsgewohnheiten. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Proteinen und gesunden Fetten unterstützt die positiven Effekte des Fastens. Ungesunde Lebensmittel wie Weißmehlprodukte, Süßigkeiten und stark verarbeitete Nahrungsmittel hingegen können zu Schwankungen des Blutzuckerspiegels führen. Die hohe Insulinpegel im Blut blockieren die Fettverbrennung. Nimmst du viele leere Kalorien zu dir, sind Heißhungerattacken vorprogammiert. Über lange Zeit betrachtet, führt das unweigerlich zur Gewichtszunahme.

Fasten-Mythos 4: Beim Fasten verlierst du Muskelmasse

Viele glauben, dass Fasten zum Muskelabbau führt. Dies ist jedoch ein Missverständnis – besonders beim Intervallfasten. Mit einer ausgewogenen Vitalkost-Ernährung und regelmäßiger körperlicher Betätigung kann Fasten sogar den Muskelaufbau fördern. Der Körper nutzt während der Fastenphasen seine Energiereserven noch effizienter und kurbelt den Fettstoffwechsel an. Machst du 2-3x pro Woche Kraftsport und achtest auf eine ausreichende Proteinzufuhr, baust du sehr effizient Muskelmasse auf. Gleichzeitig wird die Fettverbrennung optimiert. Dein Stoffwechsel schaltet sozusagen den Turbo ein.

Fasten-Mythos 5: Fasten bedeutet hungern

Fasten wird oft mit Hungern gleichgesetzt. Es bedeutet jedoch nicht, sich selbst zu quälen oder in den Hungerzustand zu versetzen. Fasten ist ein bewusster Verzicht auf Nahrung für einen bestimmten Zeitraum. Du kannst es jederzeit unterbrechen. Unser Körper ist evolutionär genau darauf programmiert. Bedeutet: wir sind in der Lage Fastenzeiten problemlos zu überstehen. Allerdings leben wir heutzutage in einer Überflussgesellschaft. Hierzulande hat der Großteil der Menschen mit Übergewicht und Adipositas zu kämpfen. Viele haben verlernt intuitiv zu essen. Bedeutet: sie sind nicht in der Lage zwischen Appetit und echtem Hunger zu unterscheiden. Intervallfasten hilft uns ein natürliches Essverhalten zu entwickeln.

Fasten-Mythos 6: Intervallfasten eignet sich für alle

Diese Aussage hat sich zu einem der gängigsten Fasten-Mythen entwickelt. Das ist vor allem den vielen Fastencoaches und Programmen geschuldet. Obwohl Intervallfasten viele gesundheitliche Vorteile bietet, ist es nicht für jeden geeignet.
In bestimmten Lebenssituationen sollte nicht auf eigene Faust gefastet werden. Dazu gehören Kindheit, Jugendalter, Schwangerschaft und Stillzeit. Auch Menschen mit bestimmten gesundheitlichen Problemen müssen Vorsicht walten lassen. Falls überhaupt – sollten Menschen mit zehrenden Erkrankungen wie Hepatitis und HIV oder einer instabilen Stoffwechsellage (Diabetes Typ 1) nur unter ärztlicher Aufsicht fasten. Bei Essstörungen bzw. starkem Untergewicht ist Fasten kontraindiziert.

Fasten-Mythos 7: Fasten entschlackt und entgiftet den Körper

Dass Fasten den Körper von Schlacken und Giftstoffen befreit, ist umstritten. Die Schulmedizin erkennt das Konzept der “Schlacken” nicht an. Es gibt aktuell keine wissenschaftlichen Belege, dass sich im Körper Giftstoffe ansammeln, die ausgeleitet werden können. In der Alternativmedizin hingegen gelten sie als Ursachen für zahlreiche Erkrankungen. Dazu zählen Abfallprodukte aus Stoffwechselvorgängen, Immunkomplexe, Giftstoffe oder schädlichen Ablagerungen.
Fakt ist: Der menschliche Körper verfügt über effektive Mechanismen zur Entgiftung. Das bewerkstelligen vor allem Darm, Lunge, Leber, Nieren und Haut. Allerdings aktiviert Fasten einen körpereigenen Recyclingprozess – die Autophagie. Der Körper baut beschädigte Zellen und Zellbestandteile ab und beseitigt funktionsuntüchtige Proteine. Diese körpereigene Müllabfuhr trägt zur Gesundheit und Langlebigkeit bei.

Intervallfasten: Meine Erfahrungen

Seit vielen Jahren praktiziere ich Intervallfasten und habe zahlreiche gesundheitliche Vorteile erlebt. Viele Menschen berichten, dass sie sich dank des intermittierenden Fastens energiegeladener und konzentrierter fühlen. Das kann ich bestätigen. Außerdem bin ich ausgeglichener und entspannter. Probleme wie Kopfschmerzen oder Schlafstörungen gehören der Vergangenheit an.
Wissenschaftliche Untersuchungen beweisen, dass Intervallfasten die Zellreparatur fördert und das Risiko für chronische Erkrankungen reduziert.
Es ist jedoch wichtig, dass du deinen eigenen Weg für dich findest. Passe die Fastenmethode an deine individuellen Bedürfnisse und Lebensumstände an. Fasten ist eine kraftvolle Methode zur Stärkung deiner Gesundheit.

Fazit: Fakten statt Fasten-Mythen

  • Fasten-Mythen gibt es nach wie vor wie Sand am Meer. Viele Aussagen dienen dabei diversen Interessengruppen. So werden entweder utopische Hoffnungen geweckt (schneller Gewichtsverlust) oder große Ängste geschürt (massiver Muskelabbau).
  • Fasten ist keine Diät zum Abnehmen, sondern ein ganzheitlicher Ansatz. Es regeneriert deinen Körper und verbessert die allgemeine Gesundheit.
  • Die Wahl des richtigen Zeitmodells und die Qualität der Nahrung sind entscheidend für den Fastenerfolg. Muskelabbau ist bei korrekter Durchführung nicht zu befürchten.
  • Fasten bedeutet nicht sich zu quälen, sondern den bewussten Verzicht auf Nahrung. Allerdings ist Fasten nicht für jeden geeignet. Bei bestimmten Vorerkrankungen oder Medikamenten solltest du immer Rücksprache mit einem Arzt halten.
  • Der Entgiftungseffekt wird oft missverstanden. Fasten unterstützt die körpereigenen Reparatur- und Heilungssprozesse in Form der Autophagie. Das macht es zu einem wichtigen Verbündeten im Kampf gegen chronische Krankheiten.

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Autorin: Fanny Patzschke

Apothekerin, staatlich geprüfte Ernährungsberaterin, lizenzierte Fitnesstrainerin, zertifizierte Yogalehrerin, Vegan Raw Chef

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Christiane
    2. Juni 2022 20:07

    Ich bin so froh, dass es studierte Menschen wie Sie gibt, die diesen ganzen Unsinn richtig stellen. Solche Pseudogesundheitsexperten, die diesen Quatsch verbreiten, gehören verboten.

    Antworten

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